Mahnwache Hamburg

Aufruf zum friedlichen Widerstand! Für Frieden! In Europa! Auf der Welt!

Angst, Mut, Hoffnung

Dieser Text wurde vorab hier von Henrik verfasst und veröffentlicht.

Ich denke jeder von uns hat sich schon mal gefragt oder ist gefragt worden: Was bringt das alles eigentlich? Was bringt es auf die Straße zu gehen. Wozu machst du das? Was bringt es hier in Hamburg zu stehen wenn die Gewalt in der Ukraine eskaliert? Warum machst du das eigentlich?

Ich bin froh über solche Fragen, denn das heißt, das die Menschen nicht nur mitlaufen und zumindest versuchen Dinge zu hinterfragen. Aber es heißt auch, dass uns noch nicht allen bewusst ist, wie Veränderungen passieren. Nachhaltige Veränderungen passieren nicht dann, wenn irgendwo Politiker aus dem Amt geschmissen werden und eine neue Regierung übernimmt. Sie passieren auch nicht dann, wenn eine neue Partei irgendwo die Regierung übernimmt. Oder wenn eine Armee irgendwo einmarschiert.
Nachhaltige Veränderungen passieren in den Köpfen der Menschen. Im Bewusstsein.

Wir alle wissen bereits, dass unser Planet systematisch zerstört wird indem rücksichtslos die Ressourcen raubartig abgebaut werden. Wir wissen, dass bei uns Massentierhaltung betrieben wird, dass Menschen nicht nur in fernen Ländern sondern auch bei uns zu unwürdigen Bedingungen arbeiten müssen. Wir wissen, dass die Schulden und die Steuern nur einen Weg kennen, nach oben. Wir wissen das unsere Wirtschaft nicht ewig wachsen kann. Wir wissen dass die Schere zwischen Arm und Reich stetig weiter auf geht. Wir wissen, dass das System nicht auf ewig so weiter gehen kann. Wir wissen alle, dass die BRD massiv an Rüstungsexporten und Krieg in aller Welt verdient.
Aber ist uns das auch bewusst?
Wenn wir mit den Folgen konfrontiert werden, bei der Lohnabrechnung oder beim Einkauf, sind wir uns dann all dem bewusst? Wenn wir uns dem bewusst wären was würden wir ändern? Was könnten wir bewirken?
Kleines Beispiel: Wenn so etwa 5% der Deutschen Haushalte gleichzeitig ihre Herde und andere Großverbraucher anmachen würden, dann würde in ganz Deutschland der Strom ausfallen. Ganz Deutschland? Nein, in ein paar Gemeinden würde der Strom weiter fließen, zum Beispiel Feldheim in Brandenburg. Warum? Weil sie bereits Energie-autark sind und ihr eigenes Stromnetz verwalten. So sieht es nämlich aus.
Ich möchte jetzt nicht dazu aufrufen, dass zu tun und es geht auch gegen mein Wesen so viel Strom zu verschwenden, aber es soll einfach mal verdeutlichen auf was für wackligen Beinen unser System eigentlich steht. Und wenn wir wieder mit mehr Menschen reden und ihnen bewusst machen was hier passiert, dann haben wir schon viel erreicht. Dann können wir vielleicht endlich die Alternativlosigkeit beenden und die Diskussion über Alternativen in die Öffentlichkeit tragen.

Zitat - Bertold BrechtDazu ein aktuelles Beispiel, das Freihandelsabkommen oder TTIP. Freihandel hört sich ja erst mal gut an, und vielleicht wäre es ja auch eine gute Idee, aber wir können das zur Zeit absolut nicht nachvollziehen da sämtliche Verhandlungen in Hinterzimmern unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Genau bei solchen Sachen würden wir uns aber wünschen, dass das breit in der Öffentlichkeit diskutiert wird und für alle nachvollziehbar ist. Dann müssen wir uns auch keine Sorgen machen, dass ohne unser Wissen unsere Standards abgeschafft werden.
Laut dem System soll ich mir mehr Sorgen darüber machen ob ich in 40 Jahren genug Rente kriege, als dass an vielen Orten täglich Menschen einen frühzeitigen Tod sterben. Soll ich mehr Angst davor haben, dass eine Bank Pleite geht und sich das vielleicht negativ auf unser System auswirkt. Und ich verstehe auch, dass viele Menschen Angst haben. Ich habe auch Angst. Angst davor, Missverstanden zu werden. Angst über diese Mahnwache mit Leuten an meiner Uni oder alten Freunden zu reden weil sie mich dann vielleicht verurteilen. Stattdessen unterhalten wir uns über Fußball. Ich habe Angst, dass wenn ich denn mit meinem Studium durch bin und mal einen Job suche zu hören „Sie sind doch einer von diesen neu-rechten Mahnwachen Spinnern, Sie wollen wir hier nicht haben.“
Aber ich habe noch eine viel größere Angst, Angst davor nichts zu tun während da draußen der nächste Krieg vorbereitet wird. Angst, dass dieser Krieg nicht nur mich sondern auch meine Familie und meine ungeboren Kinder betrifft. Angst, dass ich irgendwann gefragt werde: „Ihr habt das alles gewusst und ihr habt nicht mal versucht was dagegen zu tun?“. Und was bringt mir dann ein guter Job oder ein tolles Auto?
Jemand hat mal gesagt „Nur wenn man Angst hat kann man mutig sein“, und das ist genau das was wir hier tun. Ich danke euch allen für euren Mut. Und durch Mut entsteht Hoffnung, und Hoffnung ist eines der wenigen Dinge, dass größer wird je mehr man es mit anderen teilt. Für mich sind diese Mahnwachen ein Symbol der Hoffnung. Hoffnung, dass obwohl so viel Leid existiert in der Welt, eine Veränderung auch zum positiven möglich ist. Auch für die Ukraine, Syrien, Somalia und andere Länder die unter Bürgerkrieg oder Destabilisierung leiden, ist es meiner Meinung nach wichtig zu zeigen, dass eben nicht nur Gewaltbereitschaft existiert in der Welt, sondern auch Friedensbereitschaft.
Und wir haben bereits einiges erreicht, oft haben sich Menschen hier auf der Mahnwache dafür bedankt, dass wir ihnen wieder Hoffnung gegeben haben. Das wir sie zum Nachdenken angeregt haben und dafür, dass wir niemanden ausschließen. Und das werden wir auch weiterhin nicht tun.
Deswegen ist es auch so wichtig, dass wir uns trauen auch mit Menschen die uns vielleicht missverstehen über diese Bewegung zu reden. Dass wir uns nicht dafür verstecken wofür wir einstehen, sondern dass wir versuchen jeder jede Woche eine Person mehr hierher zu bringen. Dass wir aufhören uns unterteilen zu lassen und den Feind in unserer Mitte zu suchen. Oder überhaupt einen Feind zu suchen. Jeder Mensch muss die Konsequenzen seines Handels tragen, wir alle bürgen für das was wir in und mit dieser Welt machen. Daher sind wir alle Weltbürger.

0602

Wir senden alle zusammen ein Signal der Hoffnung, aus Hamburg an alle Orte dieser Erde.

Wir senden ein Signal an unsere Regierung: Wenn ihr den Anspruch erhebt uns zu vertreten, dann tut etwas für den Frieden!
Wir senden ein Signal an die Menschen in den Kriegsregionen: Wir sehen euer Leid, wir sind in Gedanken bei euch und wir wollen friedliches Zusammenleben
Wir senden ein Signal an die Menschen in Länder die bei uns schlecht gemacht werden: Wir sehen euch nicht als Feinde, sondern als Nachbarn auf der Erde und gemeinsame Weltbürger.
Wir senden ein Signal an die Menschen hier vor Ort: Diese Krise geht uns alle an, schaut nicht weg. Ihr seid nicht alleine, wir sind viele. Wir können etwas bewegen.
Wir senden ein Signal an die alle Menschen: Wir verstehen, dass dieses System des Zwangswachstums nicht ewig weiter gehen kann. Wir brauchen etwas nachhaltiges und wir möchten mit euch allen zusammen darüber reden, die Diskussion in die Öffentlichkeit tragen und dann zusammen an etwas neuem Arbeiten.

Für Frieden, jetzt und in Zukunft.

0403

2 Kommentare

  1. Hallo miteinander,
    das ist sehr trefflich und gut beschrieben. Ich werde das gleich mal ausdrucken und als Argumentationshilfe nutzen, warum wir diese Mahnwachen abhalten.

    Ich selbst konnte die letzten Montage leider nicht, werde aber am 26.05. wieder dabei sein.

    Es ist toll, dass Ihr das auf die Beine gestellt habt. Macht bitte weiter – wir dürfen uns nicht unterkriegen lassen.

    Liebe Grüße
    Wolfgang

  2. Niclas Heimath

    18. Juni 2014 at 18:56

    Auch ich möchte mich für die ausdauer, und den aufwand den die Organisatoren aufbringen bedanken. Auch ich komme wenn es Arbeitstechnisch passt jeden Montag. Macht weiter so gemeisam sind wir Stark und können etwas bewegen. Ca 118 Mahnwachen zeigen das wir nicht alleine sind.

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