10891943_344483512406283_3817282622138947902_nvon Katrin McClean

Über nichts wird hier in diesen Tagen so heiß gestritten wie über Pegida. Nun scheint die Lösung da zu sein. Mit Anti-Pegida kommt der zivile Widerstand gegen die zur Schau getragene Fremdenfeindlichkeit. Die „Zeit“ frohlockt bereits, der Widerstandsmuskel der Deutschen sei wieder erstarkt.

Moment mal! „Die Zeit“? Das waren doch die, die neulich noch die Teilnehmer des „Friedenswinters“ als rechte Spinner und Verschwörungstheoretiker bezeichnet haben.

Das hat mich stutzig gemacht.

Ein näherer Blick auf die Anti-Pegida-Bewegung ergibt die nächste Überraschung. Anti-Pegida ist gar nicht deutsch. Zumindest werden gleich zwei entsprechende Online-Kampagnen in den USA organisiert. Von Avaaz und Change.org. mit Sitz in New York. (lt. Impressum)

Man mag denken: Die machen wenigstens gute Arbeit. Gestern Abend in Deutschland waren immerhin an die 80.000 Leute gegen Rassismus auf der Straße. Das ist doch mal was anderes als die lächerlichen 8.000 zum Friedenswinter. Jetzt geht es richtig los. Jetzt erreichen wir was.

Ich glaube, das ist ein schwerwiegender Irrtum.

Aber zunächst. Wer sind Avaaz und Change.org überhaupt? Die Gründer von Avaaz (dt. Stimme) sind eine Reihe von US-Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs). Avaaz wird von Ölkonzernen wie Chevron und Shell beraten und von einem Mix aus US-Stiftungen, Milliardären und westlichen Regierungen finanziert. Die internationale Krisengruppe mit Hauptquartier in Washington DC unterhält 17 Stützpunkte im Ausland und arbeitet mit „Analysten“ in 50 verschiedenen krisengeplagten Ländern. Change.org ist etwas kleiner, arbeitet aber nach demselben Muster.

Beide Organisationen mobilisieren weltweit Menschen zu Bürgerprotesten auf fast allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens. Viele von euch bekommen vermutlich permanent Mails dieser Organisationen und werden aufgefordert, sich für alles Mögliche einzusetzen.

Nun also rufen Change.org und Avaaz zum Kampf gegen Pegida auf. Und der Erfolg der amerikanischen Kampagnen-Manager scheint überwältigend. Zumindest werden beide Kampagnen nicht unwesentlich dazu beigetragen haben, dass sich Montag-Abend die Straßen mit Anti-Pegida-Demonstranten füllten.

Auch ich bin sehr daran interessiert, dass es in diesem Land keine Fremdenfeindlichkeit gibt.

Aber schaffen Demonstrationen gegen Fremdenhass den Fremdenhass wirklich aus der Welt?

Da stelle ich mir so einige Fragen:

Warum werden auf der Kampagnen-Seite, die für ein tolerantes Europa eintreten will, Hass-Botschaften veröffentlicht?

Hier zwei Zitate:

„Weg mit der braunen Schmiere von unseren Strassen!“

„Ich unterschreibe, weil ich nicht zu den „Blödbürgern“ gehören will, die wie dumme Schafe hinter gefährlichen Rassisten her rennen!“

  • Warum sind Pegida und nun Anti-Pegida genau in jener Zeit hochgekommen, als sich in Deutschland ein systemkritischer Friedenswinter formierte und selbst heftige Diffamierungskampagnen einige Tausend mutige Menschen nicht von der Teilnahme abhalten konnten?
  • Warum wird Pegida von den Medien so dermaßen hochgeputscht und seit Tagen zum Thema Nummer eins gemacht?
  • Warum üben weder Pegida noch Anti-Pegida deutliche Systemkritik?
  • Was soll es eigentlich bringen, wenn Bürger gegen Bürger protestieren?
  • Warum werden Bürgerproteste in Deutschland von amerikanischen NGO’s gepuscht?
  • Warum bezahlt (auch) unsere Regierung Organisationen wie Avaaz und Change.org?

Ich will hier Folgendes zur Diskussion stellen:

Spätestens mit den Mahnwachen und dem Friedenswinter war klar, dass es ein politisches Protestpotential gibt, das sich gegen die Regierung richtet.

Mit Pegida hat sich eine Angriffsfläche entwickelt, die jeden Friedensbewegten davon ablenken kann, sich weiter mit der Kriegspolitik der Regierung zu beschäftigen. Denn natürlich will niemand von uns eine fremdenfeindliche Bewegung im Land. Mit Anti-Pegida bekommt dieses politische Engagement nun ein Betätigungsfeld. Aber was ist mit der politischen Wirksamkeit?

Ich glaube nicht daran, dass Anti-Pegida geeignet ist, um die Wutbürger in Dresden von ihrer ausländerfeindlichen Haltung abzubringen. Die ist durch jahrelange islamfeindliche Medienkampagnen doch erst bestärkt worden. Schleichend wurde der Sündenbock für die sozial Benachteiligten geschaffen.

Und nun kommt die Anti-Pegida und stellt sich den Rassisten mit dem moralischen Zeigefinger in den Weg, und scheut sich selbst nicht vor Diffamierung („Idioten!“) und Hass-Botschaften. Was erreicht man damit? Ich vermute mal: Noch größere Demonstrationen und Eskalationen im Osten.

Selbst wenn sich die Sache wieder legen sollte, und die Pegidas sich zurückziehen, der Keil zwischen den Bevölkerungsschichten, vor allem zwischen Ost und West ist wieder ein Stückchen tiefer getrieben, Unverständnis und Hass größer als zuvor.

Mit solchen Kampagnen haben Avvaz und Change.org. schon einige Erfahrungen gesammelt. Avaaz hat seinen Namen nicht umsonst aus dem arabischen Sprachraum. Denn in diesen Ländern ist die Organisation auch aktiv und hat unter anderem zur Solidarität (!) mit islamistischen Terrorgruppen in Syrien aufgerufen.

Ich glaube nicht, dass Avaaz und Change.org lediglich Plattformen zur Unterschriftensammlung sind. Sie sind auch nicht nur ein riesiger weltweiter Datensammelkorb für politisch Aktive. In diesen Organisationen arbeiten hoch ausgebildete Spezialisten mit langjährigen internationalen Erfahrungen im Bereich der politischen Manipulation, wie man bei Steven Black und selbst bei Wikipedia nachlesen kann. Ebenso bestehen nachweisliche Verbindungen zu Regierungsmitgliedern in Washington. Und wenn man sich die Geldgeber anschaut, liegt doch sehr nahe, dass zum Netzwerk von Avaaz und Change.org noch so einige andere offen oder geheim politisch wirksame Organisationen gehören dürften.

Und warum sollten westliche Regierungen eigentlich Leute bezahlen, die politische Kampagnen organisieren? Mein Verdacht ist: Unsere Regierung bezahlt diese Leute dafür, politisch wirkungslose Arbeit zu leisten. Sie sorgen dafür, dass die Regierung nicht vom Volk belästigt wird. Am besten ist, das Volk bekriegt sich untereinander.

Solange es den politischen Aktivisten um Pegida und Anti-Pegida geht, kann man von Medien und Volk unbeachtet Kriege führen, Sozialleistungen weiter kürzen, TTIP durchziehen und amerikanische Verhältnisse mit entsprechend freiem Waffenhandel einführen. Die Fronten für einen Bürgerkrieg werden auch schon gebildet.

Wer für Frieden kämpfen will, darf sich nicht dafür benutzen lassen, an diesem Prozess der Frontenbildung mitzuarbeiten. Das ist meine Auffassung.

Quellen