Appell an die Presse

Redebeitrag von Robin Güldenpfennig bei der SPIEGEL-Demonstration unter dem Aufruf “Stoppt die Kriegspropaganda – Empört euch jetzt!

Nur die Lüge braucht die Stütze der Staatsgewalt, die Wahrheit steht von alleine aufrecht.

Dies ist ein Zitat des ehemaligen US-Staatsmannes Benjamin Franklin.

Wir demonstrieren hier unseren Unmut über die mediale und politische Lage. Denn wie Herr Franklin bereits vor mehr als 200 Jahren vor der staatsgestützten Lüge gewarnt hat, so erleben wir heute, wie große Medienkonzerne in Zusammenarbeit mit den Regierungen gewisse Agenden vertreten und alles andere als eine freie Presse darstellen. Die Grenzen zwischen Politik und unabhängige Berichterstattung werden mit großen Schritten abgeschafft.

Diese anscheinende Verschmelzung der Interessen gefährdet unsere demokratischen Grundprinzipien und den Frieden.

Es werden Fakten verdreht, Nachrichten verschwiegen, Mutmaßungen und sogar Lügen verbreitet. Der Gebrauch solcher Berichterstattung birgt in unserer heutigen Welt enorme Gefahren. Und diese Gefahren werden immer deutlicher. Seitdem der US-Amerikanische Krieg gegen den Terror ausgerufen worden ist, agieren die großen Medienhäuser einseitiger, ergreifen immer schneller Partei. Es wird oftmals jede politische Aussage, die aus dem westlichen Lager stammt, eins zu eins übernommen. Hinterfragt wird nur noch in Feuilletons oder in alternativen Medien. Insbesondere im Internet. Durch die Bekanntmachung der Verbindungen der Medienkonzerne zu politischen Organisationen und Think-Tanks sinkt das Vertrauen in die altbekannte Medienlandschaft. Zeitschriften, Blogs, unabhängige Internet-Medien, Social Media und viele andere Alternativen erleben einen Boom – während die Auflagen und Klickzahlen der großen Verlage sinken.

Die Gefahren sind für jeden halbwegs aufgeweckten Bürger eindeutig ersichtlich. Nach dem 100. Jahrestag zum Beginn des Ersten Weltkrieges befinden wir uns in einer Lage mit eindeutigen Parallelen. An vielen Orten der Welt herrscht Krieg, die Waffenproduktion läuft auf Hochtouren, es geht um Wachstum, wirtschaftliche Einflusszonen und Profite. In einer globalisierten Welt gibt es keine Grenzen mehr.

Doch müssen wir gar nicht mal so weit zurück in die Vergangenheit blicken. Der Irakkrieg im Jahre 2003 basierte auf Lügen. Die von Colin Powell vorgelegten Beweise zu den angeblich vorhandenen Massenvernichtungswaffen waren eine Erfindung. Eine Lüge vorbereitet in Zusammenarbeit mit der deutschen Geheimdienstquelle mit dem Codenamen „Curveball“. In diesem illegalen Angriffskrieg starben mehr als 1 Million irakischer Mitmenschen durch direkte und indirekte Folgeschäden, wie z.B. durch die Verseuchung ganzer Landstriche mit Uran-Munition. Heute ist der Irak ein „Failed State“, ein zusammengebrochener Staat. Von Demokratie und Freiheit keine Spur.
Genau wie die damalige Brutkastenlüge, die zum ersten Golfkrieg führte, übernahmen Großteile der Medien die offiziellen Aussagen. Erst Jahre später veröffentlichen die Presseagenturen andere Blickwinkel und Stellungnahmen. Insbesondere durch die Veröffentlichungen tapferer Whistleblower und Kriegsdienstverweigerer wurden die Medien mehr oder minder gezwungen, darüber zu berichten.

Ähnliche Entwicklungen waren in Libyen und Syrien ersichtlich. Bis heute halten die meisten Massenmedien daran fest, dass Bashar Al-Assad den Befehl für den Giftgaseinsatz gegen die eigene Bevölkerung gab. Belege dafür fehlen weiterhin. Eher liegt eine Vielzahl an Hinweisen vor, dass der türkische, US-Amerikanische und Saudische Geheimdienst für diesen Giftgasanschlag mitverantwortlich waren.

An dieser Stelle möchte ich meine größte Wertschätzung dem amerikanischen Enthüllungsjournalisten Seymour Hersh kundtun, der viele Kriegsverbrechen in der Vergangenheit aufgedeckt hat.

Nachdem der libysche Präsident Gaddafi entmachtet und hingerichtet wurde, das Land demokratisiert und in Chaos versank, berichten unsere Medien kaum noch über die Hintergründe und Folgen dieses weiteren illegalen Angriffskrieges.

„We came, we saw, he died“. Wir kamen, wir sahen, er starb. So die Worte von Hillary Clinton, der damaligen US-Außenministerin der USA.

Könnte damit als nächstes der russische Präsident Vladimir Putin gemeint sein? Aus welchem Grunde wird so enorm gegen die russische Regierung berichtet, ja sogar gehetzt. Die westlichen Medien gießen förmlich Öl in das Feuer, um die politische Agenda der Ost-Erweiterung und Einkreisung Russlands zu stützen. Sieht so Völkerverständigung aus? Haben wir vergessen, welches Land damals 20 Millionen Opfer zu beklagen hatte, um Europa vom Faschismus zu befreien? Heute sind nachweislich faschistische Kräfte in der ukrainischen Übergangsregierung aktiv. Parallelen zu Stepan Bandera werden ersichtlich. Wiederholt sich die Geschichte?

Ist das die Weltordnung, die wir uns alle wünschen? Eine Welt voller Krieg, Leid, Ungerechtigkeit und Lüge? Dies alles im Namen der Demokratie? Stehen wir wirklich dahinter? Mit „wir“ meine ich nicht nur die Mitmenschen, die sich hier versammelt haben. Diese Fragen gehen nicht nur an die Redakteure beim SPIEGEL, bei der BILD, beim Focus, Stern, TAZ, sondern an alle Journalisten.

Wenn einige Redakteure des SPIEGEL einen Artikel verfassen, der als akute Kriegshetze bewertet werden kann, so sprechen diese Redakteure nicht für alle Journalisten in der Redaktion. Ich bin mir mehr als nur sicher, dass vielen Mitarbeitern diese Art der Berichterstattung nicht gefällt.

Ich weiß, ihr macht euch sorgen um den Arbeitsplatz. Um das reguläre Gehalt. Mieten und Zinsen müssen gezahlt werden. Der Unterhalt für Kinder und die gesamte Familie muss eingebracht werden. Unter diesem wirtschaftlichen und sozialen Druck unterwirft man sich eher der Agenda der Chefredaktion oder anderer Einflüsse – das ist nachzuvollziehen. Doch zu welchem Preis. Was nützen uns hart erarbeitete Autos, schöne Häuser und andere Luxusgüter, wenn es wirklich zu einem Krieg in Europa kommt? Schauen wir in die Ukraine. Ist es das wert?

Nein, das ist es nicht wert. Aus diesem Grund appelliere ich an alle Journalisten. Hört auf euer Herz und tut etwas für die Völkerverständigung und den weltweiten Frieden. Schließt euch Snowden, Drake, Hersh, Manning, Greenwald und den anderen Freiheitskämpfern an. Berichtet ausgewogen und sachlich, fördert einen friedlichen Umgang und keinen Krieg. Erhebt euch aus den Interessen der Politik und der Wirtschaftslobbyisten. Schließt euch der Außerparlamentarischen Opposition an und produziert wieder Qualitätsjournalismus.

Auch so lässt sich das Geld für ein gutes Leben verdienen. Für ein nachhaltigen Leben im Frieden. Die Leserschaft wird sich erkenntlich zeigen – wie auch viele alternativen Medienprojekte bereits gezeigt haben.

Ein Sprichwort besagt:

Mit der Lüge kommst du durch die ganze Welt, aber nicht mehr zurück.

Hinterlassen wir einen nachhaltigen Weg der Zusammenführung und Ehrlichkeit – für eine gemeinsame Zukunft – für uns und unsere Kinder.

Vielen Dank.